what if - über die Macht der Umstände

Atelierfrankfurt
Hohenstaufenstr. 13-25
60327 Frankfurt

Eröffnung: 31.08.2012, 19:00-22:00 Uhr
Öffnungszeiten: Di und Do 16:00-19:00 Uhr, Mi 16:00-20:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 01.09.-18.10.2012

 

Der Wunsch, hinter Systeme und Strukturen blicken zu wollen, das Vorläufige und dessen Zeitlichkeit und Räumlichkeit zu erfassen, zu bündeln und zu verorten, prägt Julia Nuss' künstlerische Arbeit. Es sind fragile Kontrakte, die ihre Ausschließlichkeit in der Erfassung der Entstehung der Wandelphänomene dieser Welt suchen, um sich dann genau in diesen zu verlieren. Sie trotzen der Erinnerung und unternehmen keinen Versuch sie zu belegen.
In Julia Nuss' Arbeiten ist das Durchdringen in das Geflecht der Erinnerungen, erlebten Erfahrungen und persönlichen Überzeugungen auch eine Suche nach Hoffnung auf Strukturen und Orientierungspunkten. Ein Versprechen, das sich nur in Gebilden einer Welt halten kann, in der eine Wechselwirkung nur ein Bestandteil des einzelnen Körpers ist... Jedes Ding ist Teil solcher miteinander verknüpfter Lebensläufe: die Kleider, die Arbeit, die Gewohnheiten und die Erwartungen. Für die Menschen sind Lebensläufe Behausungen, Kokons, wenn draußen Krise herrscht. Alle Lebensläufe gemeinsam bilden eine unsichtbare Schrift. Nie leben sie allein. Sie existieren in Gruppen, Generationen, Staaten, Netzen. (1) Scheinbar lieben sie Umwege und Auswege.
Hier werden wir mit der Frage eines anderen Umstandes konfrontiert und schauen uns durch ein Fenster in einer anderen Welt um, in der scheinbar geordnete Strukturen sich und die eigene Zeitlichkeit, eigene Räumlichkeiten plötzlich aufheben und neue Perspektiven öffnen, die einer anderen Gesetzmäßigkeit, einer anderen Dimensionalität zu unterliegen scheinen. Dies alles: nur die Macht der Umstände?
So spielt die Künstlerin mit dem Bewusstsein, dass Menschen Strukturen unterschiedlich wahrnehmen. Wenn jedoch plötzlich alles, mit dem wir fest gerechnet haben, nicht mehr gelten soll, wem und worauf können wir noch vertrauen? Auf wen oder was können wir uns verlassen?


(1) Alexander Kluge, "Das fünfte Buch", Suhrkamp Verlag Berlin 2012