Eröffnung: 12.02.2014, 19 Uhr
Ausstellung: 13.02. - 30.03.2014
Öffnungszeiten: Di-So, 10 - 18 Uhr

Kunstverein Paderborn
Am Abdinghof 11
33098 Paderborn

www.kunstverein-paderborn.de

 

Der Wunsch, hinter den Vorhang der Undurchsichtigkeit blicken zu wollen, der sich um eine zunehmend komplexer werdende Welt hüllt und die Sehnsucht nach Erkenntnis prägt Julia Nuss künstlerische Praxis. Es sind fragile Kontrakte, die ihre Ausschließlichkeit in der Erfassung der Entstehung der Wandelphänomene dieser Welt suchen, um sich dann genau in diesen zu verlieren. Das Durchdringen in das Geflecht der Erinnerungen, erlebten Erfahrungen und persönlichen Überzeugungen ist auch eine Suche nach Hoffnung auf Strukturen und Orientierungspunkten. Ein Versprechen, das sich nur in Gebilden einer Welt halten kann, in der eine Wechselwirkung nur ein Bestandteil des einzelnen Körpers ist…
So befinden wir uns als der Götter entthronte Kinder auf der Suche nach Orientierung in jenem unsicheren Gelände, das unsere Gegenwart bildet.
Gilt es die „Wirklichkeit als Sonderfall des Möglichen“¹ zu betrachten?
„Kontingent ist etwas, was weder notwendig und unmöglich ist; was also so ist, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeichnet etwas mithin Gegebenes (Erfahrendes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hinblick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen.“²
Ist somit das, was nicht sein muss, zufällig, was nicht sein kann?
Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten beschäftigen sich mit der sich stetig wandelnden kognitiven Perzeption von Systemen und erforschen dabei die Strategien des Individuums als eine einflussnehmende Instanz. Mit Arbeiten wie „die entwicklung einer unsicherheit“ oder „unmarked space“ betreibt die Künstlerin eine Art Grundlagenforschung zu den Wechselwirkungen von Wissenschaft, Kunst und Leben. Die hierbei entstehenden Überlagerungen werden zusätzlich in eine formale Sprache übersetzt und verleihen somit ihrer Deutung auch Ausdruck durch das Material.
Das Ausloten von Möglichkeiten und der damit verbundene Schwebezustand zwischen einem Nicht-Mehr und einem Noch-Nicht suggeriert dabei das Provisorium als einen der beständigsten Zustände innerhalb eines sich ständig durch Einflüsse verändernden Konstruktes.

 

1 Friedrich Dürrenmatt, Justiz, Zürich 1985, S.87
2 Niklas Luhman, Soziale Systeme, 1984, S. 152