Eröffnung: Donnerstag, 9. Oktober, 19:00
Ausstellung: 9. Oktober bis 2. November 2014
Öffnungszeiten: Di-Fr, 16.00-19.00 Uhr, Sa und So 14.00-18.00 Uhr 

Bellevue-Saal, Wilhelmstraße 32, 65183 Wiesbaden
www.kunstverein-bellevue-saal.de

 

In ihren künstlerischen Arbeiten zeichnen Ralf Münz und Julia Nuss Verbindungslinien in eine Welt einander verwobener Bezüglichkeiten. Beim Versuch sich und die Welt zu verorten stellen sie Referenzen und Fundamente her, deren Ausgangspunkte häufig auch in anderen Wissenschaftsgebieten zu finden sind.

Indem sich die Künstler mit ihrer eigens für den Kunstverein konzipierten Installation gegenseitig Begebenheiten schaffen, die zur Kooperation herausfordern und mit denen sie jeweils zurechtkommen müssen, versuchen sie etwas herauszufinden über den Spielraum, indem es sich leben ließe.
Somit handelt es sich hierbei auch um eine Art Koordinationsspiel, denn „selbst die komplexesten mutualistischen Beziehungen in der Natur spiegeln das ständige Tauziehen zwischen Kooperation und Egoismus wider“¹. Das Bewusstsein um die Unterschiede, die Differenzen, welche bei dieser Art der Zusammenarbeit unweigerlich zum Ausdruck kommt, provoziert wiederum den Wunsch zu sehen, wie es auf der anderen Seite aussieht. Denn „jede Grenze, jede Schranke, öffnet den Blick auf zwei Seiten“².

Ralf Münz arbeitet überwiegend mit Collagetechniken, wobei er Versatzstücke verschiedener Wirklichkeitsebenen häufig fast bis zur vollständigen Auflösung fragmentiert und erst im Nachhinein miteinander kombiniert. Die hierbei entstehenden Struktur- und Musterbildungen zeigen sich einmal kaleidoskopartig – wiederholend, teils durchbrochen von farbigen Splittern, manchmal aber auch amorph mäandernd. Seine Rauminterventionen und Installationen, welche wiederum häufig während der Ausstellung ihr Aussehen ändern, erforschen die fundamentalen Charakteristika der Welt.

Julia Nuss hingegen treibt der Wunsch hinter den Vorhang der Undurchsichtigkeit blicken zu wollen, der sich um die systemgeprägte Welt hüllt und die Sehnsucht nach Erkenntnis voran. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit der sich stetig wandelnden kognitiven Perzeption von Systemen und erforschen dabei die Strategien des Individuums als eine auf die Systeme einflussnehmende Instanz.
 
Durch die Erforschung der Wechselwirkungen, Differenzen und Perspektiven entsteht ein Dialog und darüber hinaus ein Forschungsfeld, das jeweilige Ich im Spannungsfeld des Anderen zu reflektieren; (Ich werde von einem Anderen unterschieden und ich unterscheide mich von einem anderen, daher existieren Wir), denn schließlich ist es das Leben selbst, in seiner Mehrdeutigkeit von Kontinuität, Bruch und Zyklus, welches das Grundmodell zu dieser Ausstellung liefert.

  

1 Michael Tomasello, Warum wir kooperieren, Suhrkamp Verlag Berlin, 2010, S.90
2 Konrad Paul Liessmann, Das Lob der Grenze, Paul Zsolnay Verlag Wien, 2012, S.33